Donnerstag, 10. Juli 2008

Soziale Aspekte des Klimawandels

Über soziale Aspekte des Klimawandels diskutierten gestern auf Einladung des Klimaplenums Bremen gut 50 Menschen im Lagerhaus. In kurzen Referaten schilderten die VeranstalterInnen die Leerstellen des herrschenden Klimadiskurses, der auf technische Lösungen wie Atomkraft und Agrofuels setze und die unterschiedlichen Auswirkungen des Klimawandels auf Länder des globalen Südens und Industrienationen, aber auch auf verschiedene soziale Schichten in den Industrienationen auszublenden versuche.

So wurde geschildert, wie zunehmende extreme Wetterphänomene wie Dürren und Überschwemmungen oder Stürme die Lebensgrundlage zahlreicher KleinbäuerInnen in Asien, Lateinamerika und Afrika zerstören, die ohnehin unter der massiven Konkurrenz durch subventionierte Exporte aus der EU leiden. Zusätzlich werden viele von ihrem Land vertrieben, um Platz für die gigantischen Plantagen von Soja, Mais oder Ölpalmen zu machen, die in der Zukunft den Energiehunger des Nordes stillen sollen. Die Zahl der Hungernden ist durch die steigenden Lebensmittelpreise bereits von 800 auf 850 Millionen gestiegen, für die kommenden Jahre rechnet die UNO mit weiteren 100 bis 150 Millionen Menschen, die an Hunger leiden werden.

Für Bremen benannte das Klimaplenum die geplante weitere Zurichtung der Stadt im Sinne einer Logistikwirtschaft, die unter immensem Energieverbrauch immer mehr Güter rund um den Globus transportiert als einen möglichen Fokus von Auseinandersetzungen. Neue Verkehrsprojekte wie Autobahnausbauten, Weservertiefung oder Tiefwasserhafen sollten in Frage gestellt werden und stehen im völligen Widerspruch zur notwendigen massiven Reduktion der CO2-Emissionen.

Als überregionale Aktionsperspektive wurde das gemeinsame Klima- und antirassistische Camp in Hamburg vom 15.-24. August vorgestellt (http://www.klimacamp08.net/ bzw. http://camp08.antira.info/). Dort wollen die jeweiligen Vorbereitungskreise nicht nur über Klimawandel und -politik sowie Antirassismus diskutieren, sondern auch die Verbindungen ihrer jeweiligen Fragen suchen. So wird die Forderung nach globaler Bewegungsfreiheit für alle Menschen nicht nur, aber auch als Reaktion auf die von den Indutrieländern verursachten Klimaschäden gesehen, die Menschen mit dazu bewegen können, in einem anderen Land eine bessere Zukunft zu suchen.

Zum Abschluss der Camps sind zwei größere Aktionen geplant: Am Freitag, den 22.08. soll aus Protest gegen die besonders brutale Abschiebepolitik Hamburgs der dortige Flughafen dichtgemacht werden, am Samstag will die Aktion "Gegenstrom '08" (http://www.gegenstrom08.net/) den Bauplatz des Kohlekraftwerks Moorburg blockieren.

Die anschließende Diskussion drehte sich vor allem um die Bedeutung des kapitalistischen Wirtschaftssystems, das viele TeilnehmerInnen als zentrale Ursache des Klimawandels sehen. Eine ökologische und an den Bedürfnissen der Menschen ausgerichtete Wirtschaft könne nicht nach Profitmaßstäben funktionieren. So fordert auch die Aktion "Gegenstrom08" eine entschädigungslose Enteignung der Energiekonzerne, um die Erzeugung von Energie einer demokratischen Kontrolle zu unterwerfen.
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